Der Bogengriff beim Kontrabassbogen

Der Kontrabassbogen – kannst Du dir denken, warum man mit dem ganz anders umgehen muss, als mit einem Geigenbogen?

Na sieh Dir doch einmal den Kontrabass an. Betrachte seine Saiten.

Weißt Du, wie schwer diese Saiten anzustreichen sind? Etwa 100 bis 105 cm sind sie lang. Fast dreimal so lang wie die einer Geige. Und eine Stärke haben sie. Die dünste Basssaite ist etwa so dich wie die stärkste Saite eines Cellos.

Da musst Du schon mit anderen Mitteln arbeiten, wenn Du die zum Klingen bringen willst.

Kannst du Dir jetzt vorstellen, warum dieser Bogen denn ganz anders gehalten wird? Gänzlich anders als der Bogengriff bei Geige, Bratsche und Cello?

Ich glaube wir müssen hier ein paar grundsätzliche Dinge besprechen. Schön Detail für Detail.

Der Kontrabass – eine Gambe

Ist Dir klar, dass der Kontrabass im Grunde ein Abkömmling der Gambenfamilie ist?

An seiner Form kann man es sehen. Er hat nicht diese gedrungene Form, wie eine Geige oder ein Cello. Auch seine Ecken verlaufen viel sanfter als bei den anderen Streichinstrumenten. Ja, der Kontrabass entstammt tatsächlich der Gambenfamilie, und das wirkt sich auch auf seine Spielweise aus.

Gamben hatten eine Spieltechnik, mit gewissen Unterschieden zur Violinfamilie. Das beginnt schon mit der Tatsache, dass sie alle auf dem Knie (Ital.: Gamba) gespielt wurden; und zwar die kleinen wie die großen Gamben. Die Violone, der Vorläufer des Kontrabasses, wurde aber schon immer im Stehen gespielt.

Bogengriff der Gambe

Und eben eine weitere dieser spezifischen Techniken ist die Bogenführung im sogenannten „Untergriff“. Die Finger lagen bei dieser Bogenhaltung nicht auf dem Bogen wie bei Geige, Bratsche und Cello. Der Spieler nahm den Bogen von unten her, von der Seite der Bogenhaare in die Hand. Dieser Griff ermöglicht übrigens einen sehr kraftvollen Strich gerade an der Spitze des Bogens. Ein Indiz dafür ist die Tatsache dass der Gambist den Betonten Strich meist auf den Aufstrich legt und nicht, wie bei Geigen und Celli üblich, auf den Abstrich.

Eine auf die Klangverhältnisse der schweren langen Basssaiten angepasste Variante dieses Untergriffs wird heute meist am Kontrabassbogen verwendet. Er bewährt sich meines Erachtens einfach auf dem Kontrabass.

Zwei Bogengriffe beim Kontrabassbogen

Im Grunde gibt es aber zwei Schulen, was das Streichen auf dem Kontrabass anbelangt. In Frankreich wird in vielen Orchestern der Kontrabassbogen im Obergriff gehalten, also ähnlich wie ein Cellobogen. Dafür gibt es auch spezielle Bögen, deren Frosch für diesen Griff gestaltet ist. Dieser Kontrabassbogen sieht aus wie ein überdimensionierter Cellobogen. Er ist nur kürzer und kräftiger gebaut, um den anderen Gewichts- und Druckverhältnissen auf dem Kontrabass gerecht zu werden.

In Deutschland hingegen wird im Allgemeinen am Kontrabassbogen der Untergriff angewandt. Meist bekommst Du im Musikalienladen oder beim Bogenbauer den für diesen Griff geeigneten Bogen, den Du unten im Video auch sehen wirst.

Ich selbst habe schon beide Bogenhaltungen ausprobiert, und komme persönlich zu dem Eindruck, dass man im Untergriff einfach mehr Kraft hat, und mit weniger Mühe einen vollen Klang auf dem Kontrabass erzeugen kann.

Natürlich ist es eine Umstellung, wenn man, so wie ich, von Cello her kommt. Aber ich denke, das ist es Wert. Und falls Du mit dem Kontrabass anfängst, dann tust Du es sowieso mit dem Bogengriff, den Dein Lehrer Dir zeigt. Und das wird in 95% aller Fälle (im deutschsprachigen Raum) der Untergriff sein.

Welche Anforderungen hat den nun ein guter Bogengriff?

Der Griff muss es ohne größere Mühe ermöglichen den notwendigen Andruck des Bogens auf die Saite zu geben. Und dieser Andruck ist beim Kontrabass deutlich größer als bei den anderen Instrumenten.

Der Griff soll ein „gerades“ Streichen auf der Saite möglich machen.

Der Griff soll flexibel sein. Wieder soll es möglich sein, die Schwingung der Saite durch den Bogen hindurch zu spüren. Nur so lässt sich gefühlvoll ein Ton modulieren und gestalten.

Sieh Dir im Video an, wie Du Dir diesen Griff am besten aneignest:

 

 

Wie funktioniert nun der Bogengriff am Kontrabassbogen?

  • Die Bogenstange liegt in der Beuge zwischen dem Daumen und dem Zeigefinger der rechten Hand. In der Handfläche liegt nun die hintere Seite des Frosches. Also befinden sich die Finger nicht über der Bogenstange, sondern werden hinter dem Frosch von unten zur Stange geführt.

Kontrabassbogen - Frosch liegt in der Handfläche

  • Der Frosch liegt in der Handfläche, der Handrücken steht im 90 Grad Winkel zur Bogenstange.

Handrücken bildet 90 Grad Winkel mit der Bogenstange

  • Zeige- und Mittelfinger berühren die Bogenstange am vorderen Ende der Frosches und der kleine Finger stützt von unten den Frosch. So hat er eine Kontrollfunktion über die Kantung des Bogens.
  • Der Ringfinger liegt im „Maul“ des Frosches.
  • Der Daumen liegt über der Stange. Er ist mit seiner Hebelwirkung zuständig für das Gewicht des Bogens auf der Saite.

Daumen liegt über der Bogenstange

Sofern Du jetzt schon einen Kontrabass bei Dir hast, probiere es doch einmal aus. Nimm den Bogen in die Hand, stütze den Bogen auf die Saite. Lass Deinen Arm dabei einfach gerade hängen und drehe den Ellbogen leicht nach außen. Spürst Du, wie sich das Gewicht des Bogens auf der Saite verstärkt?

Und jetzt streich den Ton an und spüre, wie Dein Arm über den Bogen mit der Saite eine Verbindung eingeht. Das wird am besten gehen, wenn Du noch einmal kontrollierst, ob Dein Arm sich wirklich gerade hängend bewegt wie ein Pendel. So vermeidest Du übermäßige Kraftanstrengung. Und nun fühle Dich hinein in das Schwingen der Saite.

Spürst Du es?

Spürst Du was das für ein wohltuendes Vibrieren ist? Diese tiefen Saiten lassen den ganzen Körper mitschwingen. Auf der einen Seite bist Du an den Bass angelehnt und hast mit ihm direktem Körperkontakt. Und auf der anderen Seite spürst Du durch den Bogen hindurch das Schwingen.

Ist das nicht ein erhebendes Gefühl, so mit dem Instrument gemeinsam zu schwingen? Für mich immer eine Freude.

Ich merkte bei diesem Griff, wie ich durch relativ geringe Kraftanstrengung nur mit der Drehung meines Arms (Pronation) alles an Gewicht geben kann, was die Saite braucht um in Schwingung gebracht werden zu können.

In diesem Sinne wünsche ich Dir gutes Gelingen und viel Freude mit Deinem Kontrabassbogen.

herzlichst

Felix Seiffert

2 Kommentare

  1. Hallo,
    habe früher Gambe gespielt und spiele jetzt Kontrabass. Nun werden beim Bass die schweren Zählzeiten mit dem Abstrich genommen, obwohl es beim Untergriff eigentlich umgekehrt üblich ist. Weshalb?
    Gruss Bernd

    • Felix Seiffert

      Hallo Bernd,

      ja das steht tatsächlich im Widerspruch. Und wenn ich einen Kontrabassbogen in die Hand nehme, fühle ich ebenso, wie leicht es geht, einen schönen satten betonten Strich im aufstrich hin zu bekommen.

      Ich kann mir nur vorstellen dass das im Zuge der Angleichung der Instrumente im Orchester geschehen ist. Irgendwie sieht es ja auch merkwürdig aus, wenn die Cellisten alles genau anders herum streichen, als die Bassisten.

      Ich denke damit ist die Angleichung passiert. Und dann gibt es auch noch die Bassisten, die den Französischen Bassbogen benutzen und ihn im Obergriff halten wie die Cellisten. Also das Ganze macht im Orchester wohl nur Sinn, wenn man betonte Zählzeiten im Abstrich nimmt.

      herzliche Grüße

      Felix Seiffert

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