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Wollen Sie „sicher“ greifen? – diese drei wichtigsten Basics sollten Sie kennen!

Wenn man im Anfangsstadium des Instrumentalspiels ist, hat man eine Menge grundlegende Dinge zu lernen. Und es ist oft auch leicht verwirrend, da man doch gleich am Anfang möglichst „alles richtig“ machen will. Kennen Sie das?

Wäre es da nicht von Vorteil, sich zunächst auf das zu konzentrieren, was absolut grundlegend wichtig ist? Weiterlesen

Leichtigkeit in der Greifhand auf Geige und Bratsche

Wenn Sie mit der Geige beginnen oder schon längere Zeit dabei sind, dann werden Sie bestimmt auf einen Punkt stoßen, der sich Ihnen als ein Hindernis in den Weg stellt.

Bestimmt haben sie an irgend einem Zeitpunkt gemerkt, dass Ihr linker Arm sich durch die Verdrehung, die die Geigen- oder Bratschenhaltung mit sich bringt, irgendwie verspannt oder kraftlos anfühlt.

Vielleicht haben Sie auch gemerkt, wie Ihre Finger beim Spielen müde werden.

Nun, wenn wir mit dieser Sache klar kommen wollen, dann hier müssen wir uns den Gegebenheiten, die die Geigenhaltung mit sich bringt, auf sinnvolle Weise anpassen.

Die Geige ist ein Instrument, dass nun mal diese verdrehte Haltung der linken Hand mit sich bringt. Daran lässt sich zunächst nichts ändern.

Wenn es aber keine Möglichkeit gäbe, damit sinnvoll umzugehen, dann gäbe es keine geschickten und beweglichen Geiger auf der Welt.

Der Weg zu einem geschickteren Umgang mit uns selbst, führt dabei über das hinein spüren in unsere Gliedmaßen. Spüren Sie einmal in Ihrem Arm, was Sie tatsächlich an Spannung benötigen, um Ihre Hand in die erforderliche Stellung zu bringen.

Andernfalls passiert folgendes:

Die hauptsächliche Schwierigkeit für uns als Spieler besteht zunächst darin, dass wir immer geneigt sind, wenn wir uns an einer bestimmten Stelle unwohl fühlen, dass wir uns gerne an irgendetwas festhalten möchten.

Kennen Sie das?

Sie stehen an einer Uferpromenade, vielleicht irgendwo an der Nordsee. Sie möchten auf das Meer hinaus schauen, und es weht Ihnen ein Wind ins Gesicht, der Sie fast umwirft.

Auf der anderen Seite möchten Sie gerne diese wunderbare Aussicht genießen. Was tun Sie also?

Na klar: Sie halten sich an der Reling fest. Das würde doch jeder so machen.

Das ist ein psychologisches Moment, das hier eintritt. Schon die Vorstellung davon, oder die kurze Erfahrung, über längere Zeit Ihre Muskeln anspannen zu müssen um dem Wind zu trotzen, bringt Sie dazu, nach einer angenehmeren Möglichkeit zu suchen.

Was Sie sich aber dadurch verwehren, ist die Möglichkeit, einmal auszuloten, was es in Ihrem Halteapparat wirklich bedarf, um aus eigenem Stand heraus dem Wind so viel Widerstand zu leisten, wie nötig ist, damit sie nicht umfallen. Eventuell ist es ja gar nicht so viel, wie zunächst angenommen. wer weiß es?

Aber was hat das Ganze nun mit dem Geigenspiel zu tun?

Bei sehr vielen Schülern des Geigenspiels sehe ich genau diese Komponente:

Sie fühlen sich ein wenig unwohl, mit ihrem verdrehten Arm. Dann kommen sie in die Lage, an dem sie einen Ausweg suchen. Und der Ausweg ist das Festhalten mit der Hand am Instrument.

Aber dies ist nur ein scheinbarer Ausweg. Leider!

Denn das Festhalten mit den Fingern bringt auf jeden Fall weniger Beweglichkeit der Finger mit sich. Man kann sich das ganz leicht vorstellen: Wenn Sie sich mit Ihrem Fingern irgendwo festhalten, ist es auch gar nicht so einfach sich aus diesem Zustand wieder zu lösen. Wie einfach ist es dagegen, wenn Sie Ihren Finger einfach irgendwo hinstellen und wieder hoch heben. Das hat eine ganz andere Qualität.

Zum Anderen wird durch das Festhalten in der Hand auch wieder eine Spannung aufgebaut, die den Arm nicht unbedingt entlastet.

Sie sehen schon, wir sollten nach einem Weg suchen, mit dem Arm so um zu gehen, dass sich die Spannung der Verdrehung nicht negativ auf die Hand auswirkt.

Und wie man da hin kommen, kann, das zeig ich Ihnen im Video.

Fassen wir noch einmal kurz zusammen.

  • Bauen Sie langsam und gefühlvoll die Verdrehung im Arm auf. Sperren Sie sich nicht gegen die Spannung, die entsteht. Am Ende werden Sie merken, es ist gar nicht so tragisch, wie man gemeinhin annimmt.
  • Halten Sie Ihre Geige oder Bratsche in „Gitarrenhaltung“
  • Jetzt nähern Sie sich schrittweise der Spielhaltung am Instrument.
  • Zunächst stehen drei Finger in engem Abstand auf dem Griffbrett. der 3. Finger auf dem Oktavpunkt.
  • Dann ziehen Sie den 1. Finger leicht nach hinten sodass er im Ganztonabstand zum 2. steht.
  • Als letztes legen Sie den 4. Finger auf und achten dabei genau auf die Spannungen in Ihrem Arm. Passen Sie bitte auf, dass Sie keinen übermäßigen Druck in der Hand aufbauen. Die Finger so kräftig auf die Saite stellen, sodass diese gezupft klingt, reicht völlig.
  • Klopfen Sie sich immer wieder mit dem Daumen frei.
  • Und als Hilfsmittel, mit dem Sie die Leichtigkeit in der Hand am besten spüren können, dient das Anlehnen an die Wand.

Und nun wünsch ich Ihnen viele gute Erkenntnisse bei Ihrem eigenen Experimentieren, viel Leichtigkeit und Freude bei Ihrem Spiel

Felix Seiffert

Geige lernen – oder, wie Sie einen gelungenen Start hinbekommen Folge 2

Ein kleiner Lehrgang, um gleich von Anfang an in einer natürlichen Grundhaltung das Geigenspiel zu lernen.

Nachdem Ihre erste Übung im letzten Video gezeigt wurde, und Sie schon etwas selbstverständlicher Ihre Geige im Arm halten, möchte ich Ihnen den Übergang zu der wirklichen Spielhaltung zeigen.

Wie man ja weiß wird die Geige auf dem Arm getragen, und diese Haltung bedarf etwas Vorbereitung.

Nebenbei bemerkt: Wissen sie dass italienische Ursprungswort der Geige „Viola da braccia“ heißt? Daraus leitet sich auch der Name der etwas größeren Geige – der „Bratsche“ ab. „Braccia“ heißt nichts anderes als der „Arm“. Es geht also um die Geige, die auf dem Arm getragen wird.
Hier in Bayern, wo ich wohne, verwendet man für die Arme oder Hände das Wort „Bratzen“. Woher das wohl kommen mag?
Im Gegendatz dazu steht die Familie der „Gamben“ Gamba bedeutet das „Bein“. Die Viola da Gamba ist die Geige, die auf dem Knie gespielt wird. (Was jetzt aber nicht bedeutet, dass das Violoncello dadurch automatisch den Gamben zugeordnet wird)

Aber nun zu unserer Spielhaltung: Es gibt verschiedene Wege, zu dieser Haltung zu finden. Einen anatomisch besonders wertvollen Weg möchte ich Ihnen hier zeigen, wobei sie diesen Weg niemals sehen, wenn ein Geiger seine Geige anlegt. Er ist vielmehr am Anfang sehr gut dazu geeignet, den Spieler zu einer gewissen Leichtigkeit beim Halten der Geige zu führen.

Halten Sie die Geige zunächst mit der Linken Hand am Halsansatz und mit der Rechten am Schlussknopf. Jetzt halten Sie die Geige über ihrem Kopf, sodass Ihre Arme nach oben gestreckt sind. Gute wäre es auch, die Hände mit der Geige über dem Kopf ins Schwingen zu bringen. Gute Haltung entsteht immer aus Bewegung, nie aus Starrheit.

Nun lassen Sie die Geige nach unten auf Ihre Schulter sinken. Sobald die Schulterstütze auf der Schulter angekommen ist, dürfen Sie die rechte Hand loslassen und das Kinn leicht auf den Kinnhalter legen.

Wichtig hierbei: Drücken Sie nicht mit dem Kopf auf die Geige! Wenn Sie den Kopf leicht mit seinem Eigengewicht auf die Geige legen, reicht es vollkommen aus.

Als weiteres sollten Sie beachten: Lassen Sie die Schulter in ihrer ganz natürlichen Höhe. Ziehen Sie sie nicht nach oben um die Geige zu halten. Sollte es der Fall sein, dass Sie entweder die Schulter hoch ziehen oder den Kopf zu sehr neigen müssen, ist wahrscheinlich die Schulterstütze zu tief eingestellt. Je nach Länge des Halses eines Menschen, muss man die ideale Höheneinstellung der Schulterstütze heraus finden.

Aber warum verwenden wir diesen Trick, die Geige von weit oben aufzusetzen?

Nun, bei vielen Anfängern auf der Geige ist zu beobachten, dass sie eine gewisse Mühe haben, das Instrument hoch genug zu halten. Oft wird der Arm schwer und dann soll auch noch die Geige waagrecht gehalten werden. Dem soll durch das Aufsetzen der Geige von oben entgegen gewirkt werden. Probieren Sie es einmal aus. Sie werden merken, wie leicht sich die Geigen Haltung anfühlt, wenn Sie die Geige zuerst weit über dem Kopf gehalten haben.

In diesem Sinne wünsche ich frohe Stunden mit Ihrem Instrument.

F.Seiffert

Folge 1    Folge 3

 

Geige lernen – oder, wie Sie einen gelungenen Start hinbekommen Folge 1

Ein kleiner Lehrgang, um gleich von Anfang an in einer natürlichen Grundhaltung das Geigenspiel zu lernen.

Haben Sie sich entschlossen, Geige zu lernen? Oder liebäugeln Sie damit? Nun, es ist ja immer so eine Sache, sich auf etwas Neues einzulassen und nicht richtig zu wissen, was auf einen zu kommt. Diese kleine Folge von Blogbeiträgen soll etwas Licht in die Sache bringen. Sie soll Ihren Fokus aber auch auf einen wesentlichen Punkt richten: auf Ihre eigene Körperwahrnehmung. Bestimmt ist Ihnen aufgefallen, dass ausgebildete Musiker die Sache immer mit großer Leichtigkeit angehen. Oft wirkt es, als mache das Instrumentalspiel dem Musiker überhaupt keine Mühe.

Diese Leichtigkeit, die man bei den Musikern beobachten kann, kann man durch intensives Üben erzielen. Früher wurde gesagt, dass dieses geduldige Üben, über viele Jahre hin, und am besten vom frühesten Kindesalter an, überhaupt die einzige Lösung ist, die zu solch einem Resultat führt. Heute haben sich hingegen Lehrmethoden entwickelt, die diesen Prozess differenzierter betrachten. Sie richten ihr Augenmerk wesentlich mehr darauf, was genau die Aktionen sind, die wir bei Musizieren anwenden und wie wir dies tun, ohne uns gleichzeitig an anderer Stelle dabei zu behindern.

Alles, was Sie am Instrument tun, sollte in jeder Hinsicht gefühlvoll und zielgerichtet sein. Geige lernen bedeutet unter anderem, dass Sie Bewegungen kennen lernen, die genau das bewirken, was Sie tun wollen, nämlich Streichen und Töne greifen. Sie werden lernen, wie Sie dies kraftvoll und zugleich mit Leichtigkeit tun können. Sie werden sich aber auch mit anderen Bewegungen befassen, die Ihre eigene Beweglichkeit steigern und erhalten. Und Sie werden dabei merken, dass es von entscheidender Bedeutung ist, dass Sie sich Ihrer Bewegungen bewusst werden. Ihre Bewegungen werden gerade durch diese innere Aufmerksamkeit flexibel und einfach, so dass Sie sich beim Instrumentalspiel wohl und voller Leichtigkeit fühlen können.

Wenn Sie jetzt mit dem Erlernen des Geigenspiels beginnen und dabei gleich auf die richtigen und ausgewogenen Bewegungen achten (und dabei gut angeleitet werden) können Sie bemerken, dass Sie mit der Zeit immer mehr Beweglichkeit entwickeln. Sie werden merken, dass Sie das Instrument nach einer Weile immer selbstverständlicher in die Hand nehmen, und Ihnen das Wesentliche, die Gestaltung des Tons immer leichter fallen wird. Vielleicht werden Sie zuerst ein paar kleinere Hürden überwinden müssen, aber dann werden Sie mit Leichtigkeit die Saiten abgreifen und Ihrem Instrument die angenehmsten Klänge entlocken.

Und das Beste: Sie werden bemerken, was es für eine Freude macht, wenn Sie mit Gleichgesinnten, in einem Orchester oder in einer anderen kleineren Formation miteinander musizieren.

Habe ich Ihnen bereits Lust dazu gemacht?

Dann wollen wir einmal damit beginnen, Geige zu lernen.

Zuerst müssen Sie ein Gefühl dafür bekommen, was Sie da für ein Instrument in der Hand halten.

Dafür eine kleine Übung. Nehmen Sie die Geige, und halten Sie sie, ähnlich wie eine Gitarre, vor Ihre Brust. Die Schnecke des Instruments halten Sie in etwa auf der Höhe der Schulter.
Nun geht es darum, dass Sie mit Ihrer linken Hand um das Instrument herum greifen und mit Ihrem kleinen Finger alle vier Saiten der Reihe nach anzupfen. Dabei legen Sie den Daumen in die Beuge am unteren Ende des Halses. Dieses Anzupfen machen Sie nicht einzeln Saite für Saite, sondern in einer Bewegung. Dadurch ergibt sich eine harfenähnliche Tonfolge. Wichtig hierbei: Die Bewegung muss aus dem ganzen Arm kommen. Begeben Sie sich dabei mit dem Ellbogen unter die Geige, und ziehen Sie ihn bei der Zupfbewegung nach hinten. So erlangen Sie sowohl die Stabilität im Handgenk, also auch die Stärkung des kleine Fingers. Wenn Sie Geige lernen möchten, ist es wichtig, dass Sie gleich am Anfang einen beweglichen Umgang mit dem Instrument bekommen und es wie selbstverständlich und mühelos im Arm tragen.

Habe ich etwas vergessen? Ja klar: Die vier Saiten heißen von unten nach oben: G D A E

 

Wenn Sie wollen, schauen Sie sich das Ganze einfach noch einmal im Video an:


Ich hoffe, diese kleinen Übungen helfen Ihnen beim Vorankommen. Im nächsten Beitrag (Teil 2 der Folge) befassen wir uns mit der leichtesten Methode, mit der Sie zu einer ausbalancierten Spielhaltung kommen.

bis dahin herzlichst

Ihr Felix Seiffert

Folge 2     Folge 3

 

BogenBalance 2011 Ein Rückblick auf ein Jahr gemeinsamen Lernens

Geneigter Leser,

Im November 2010 fand der letzte Workshop für Anfänger statt. Ein Wochenende lang kamen die Teilnehmer zusammen, um sich als absolute Neulinge mit dem Umgang mit den klassischen Streichinstrumenten zu beschäftigen. Ein gewagtes Unterfangen, möchte man meinen.

Wie kann es sein, dass man auf einem Instrument, das normalerweise jahrelang mühsam studiert werden muss, innerhalb eines Wochenendes Musik machen kann? Und vor allem: wie kann es sein, dass man gleich zu Beginn gemeinsamen musizieren kann?

Ich glaube, wir machen uns zu sehr die Vorstellung, Musizieren, wäre nur möglich, wenn man sehr viele trockene Übungen hinter sich, und sich somit sein Können „hart erkämpft“ hat. Einerseits sind wir mit diesen Vorstellungen aufgewachsen, andererseits ist der Tatsache auch nicht zu widersprechen, wenn man an die Höchstleistungen denkt, die in unserem heutigen Konzertleben geboten werden. Natürlich sind die Anforderungen an professionelles Instrumentalspiel enorm hoch und für jemanden, der nicht in frühester Jugend mit seinem Instrumentalstudium anfängt, kaum zu stemmen.

In meiner Jungend führte das dazu, dass genau diese Glaubensmuster meine Vorstellung von einem Erlernen des Streichinstrumentes beherrschten. Eine der ersten Aussage, die ich bei meinem frühen Geigenunterricht erfuhr, war: „dass es anstrengend wird, dass man viel und ausdauernd üben muss, dass es eine ganze Weile nicht schön sein wird, dass es kratzen wird“ und so weiter. Für mich waren das schon früh Signale, die die im Grunde von Vornherein das Lernen und die Freude daran nur erschwerten.

Aber erlauben Sie mir die Frage: Ist es wirklich das, was wir wollen? Wollen wir uns in fortgeschrittenem Alter wirklich mit den ganz Großen des Musiklebens messen? Ist das professionelle Niveau für uns auch das Maß aller Dinge? Wollen wir nicht vielmehr selbst erleben, was es bedeutet, zu musizieren? Ist es nicht unser eigentliches Interesse, Musik nicht nur hörend zu genießen, sondern selbst zu erleben, wie es ist, Musik zu machen?

Ich möchte einmal eine kühne Behauptung ins Spiel bringen: „Wenn es möglich ist, dass alte Menschen beginnen, Sport zu machen und beispielsweise zu Läufern werden, wieso sollte es dann nicht möglich sein, als Erwachsener ein Streichinstrument so weit zu lernen, dass man eine Symphonie von Haydn oder Beethoven, oder vergleichbare Kammermusik spielen kann.“ Dies habe ich des Öfteren bei Schülern erlebt, und es war für mich immer ein freudiges Erlebnis, zu sehen, mit welchem inneren Schwung diese Leute an die Sache heran gingen.

Und so war es der Grundgedanke des Workshops: genau dies anzuregen. Lust zu machen auf das Musizieren, die Scheu zu nehmen, und natürlich dem einzelnen Teilnehmer die Gelegenheit zu geben, so ein Instrument einmal auszuprobieren. Und damit gleich von Vornherein das zustande kommt, was man ja eigentlich will, nämlich das gemeinsame Musizieren mit Gleichgesinnten; machten wir es von Anfang an. Dies funktioniert, wenn man sich genau überlegt, welche Stücke man spielen kann. Es gibt bestimmte Aspekte, die man in einem Wochenendworkshop sehr schnell aufnehmen kann. Und wenn man sich mit der Auswahl der Musikstücke auf diese Dinge beschränkt, dann steht einem gemeinsamen Musizieren auch am Anfang nichts im Weg.

Das Wochenende selbst war dann reich an Anregungen und Erfahrungen. Man macht es ja nicht alle Tage, dass man sich in ein vollkommen neues Thema begibt, und das gleich in der Gruppe. Jedenfalls haben 12 Teilnehmer es gewagt und innerhalb eines Wochenendes die ersten Grundlagen auf einem Streichinstrument zu erwerben. Das war natürlich ein absoluter Crashkurs. Zusammengepackt auf ein Wochenende haben wir Dinge angesprochen und angelegt, die sonst durchaus einmal 7-8 Unterrichtswochen im Einzelunterricht benötigen. Dies war körperlich überhaupt nur durch zu halten, weil die Unterrichtseinheiten immer wieder von Pausen durchzogen waren, und weil das Thema auf unterschiedlichste Weise angegangen wurde.

So gab es Phasen, in denen reine Körper- und Balanceübungen ohne Instrument gemacht wurden. An anderer Stelle wurde ein kleiner Lehrgang zum Thema Rhythmusschule durchgemacht. Vornehmlich wurde natürlich mit dem Instrument gearbeitet; zunächst an der Haltung, dann an der Strichtechnik, und schließlich am Greifen der Töne. Das Ganze gipfelte dann im gemeinsamen Spiel, das mit ein paar einfachen aber anregenden Stücken durchwegs gut gelang. Das herausragende Erlebnis ist es dabei immer, wenn zum ersten Mal mehrstimmig gespielt wird, und das gleich nach ein paar Stunden am ersten Wochenende.

Nun geht man nach diesem anregenden Wochenende voller Input und viel neuen Erfahrungen im Kopf nach Hause. Allerdings kann das, was so kurz und bündig angelegt ist, auf Dauer nur dann zu einer Fähigkeit reifen, wenn sie nicht durch kontinuierliche und dauerhafte Übung und etliche Wiederholungen ins Unterbewusstsein sacken kann.

Aus diesem Grund mündete dieser erste Workshop in eine Phase, in der anhand eines Arbeitsheftes zu Hause privat geübt wurde. Unterstützt wurde diese Eigenarbeit von mir durch „Hausaufgabenmails“ die in gewissen Abständen Anregungen und Aufgaben für das eigene Üben brachten. Eine einfache Liste zur Selbstkontrolle ergänzte diese Unterstützung und wurde von denjenigen, die die Arbeit am Instrument weiter treiben wollten gerne angenommen.

Und so kam es dann in gegenseitiger Absprache dazu dass sich die Gruppe insgesamt noch an fünf Tagen wieder traf und immer ein Stück weiteren Stoff, sowie weitere Stücke durchnahm. Als dann Anfang November der erste Workshop ein Jahr zurück lag, war bei den Cellisten immerhin die zweite Lage erreicht, und im Kontrabass war man bereits in die dritte Lage vorgedrungen. Insgesamt waren die Spieler in der Lage, sich Stücke recht ordentlich selbst anzueignen, und der gemeinsame Klang hat sich zu einem sehr ansehnlichen kammermusikalischen Ton gemausert. Insgesamt ein ansehnliches Ergebnis, sollte man meinen. Ich bin ja gespannt wohin unsere gemeinsame Reise noch führt.

Vielen herzliche Dank an Euch Teilnehmer, die Ihr diesen Weg gewählt habt und dieses Wagnis unternommen habt, ein solches Hineinwachsen ins Instrumentalspiel gemeinsam zu unternehmen.

Felix Seiffert

Die Streichbewegung beim Kontrabass

Eine wichtige Vorübung, um sich an die Streichbewegung zu gewöhnen, ist die Übung mit Stab und Röhre. Sie benötigen dazu einen Holzstab (ca. 12 mm Durchmesser; in jedem Baumarkt billig zu beziehen) und eine Pappröhre. Ich verwende am liebsten den inneren Kern einer Frischhalte- oder Alufolie. Sie hat einen schmalen Durchmesser und gibt dem Stab damit eine exaktere Führung als beispielsweise das Innere einer Haushaltsrolle

Zunächst bauen Sie am Stab Ihren Bogengriff auf.
Möchten Sie dies noch einmal nachsehen?  Der Bogengriff beim Kontrabass

Mit Ihrem linken ausgestreckten Arm halten Sie sich nun die Röhre in etwa 30 cm quer vor sich.

Grundstellung

Diese Stellung simuliert recht genau die Stelle, an der der Bogen beim Kontrabass auf der Saite liegt. Außerdem gibt die Röhre dem Bogen eine Führung, und zwingt ihn somit, sich auf einer Geraden zu bewegen. So stellt sich die Streichbewegung der einzelnen Teile des Arms fast von alleine ein.

Eines sei hierbei noch bemerkt. Diese Übung eignet sich für das allererste Einüben von Bewegungen. Wir gehen stets vom Groben zum Feinen. Das heißt, wir schließen die feinmotorischen Bewegungen der Finger zunächst noch nicht mit ein. Der Fachmann möge mir verzeihen, dass somit die Strichbewegung beim Kontrabass noch nicht in ihrer feinmotorischen Gesamtheit beschrieben ist. Meines Erachtens ist es zunächst besser, sich einmal mit der Bewegung des Armes und des Handgelenks zu beschäftigen und später erst zur Fingerbewegung zu kommen.

Also sehen Sie bitte zu, dass Sie während der ganzen Übung den Bogengriff an der Stange aufrecht erhalten. Lassen Sie es bitte nicht zu, dass die Finger auf der Stange verrutschen. Nur so ist gewährleistet, dass sich der Arm die richtige Streichbewegung einübt. Ziel unserer Übungen ist es immer, dass eine Bewegung selbstverständlich wird. Es soll so leicht gehen wie Sie mit Ihrem Arm beispielsweise eine Tür öffnen, oder den Schaltknüppel Ihres Autos bedienen.

Stecken Sie nun den Stab in die Röhre und begeben Sie sich mit der Bogenhand ganz bis zur Röhre. Der rechte Arm hängt entspannt aus der Schulter ähnlich wie ein Pendel.

am "Frosch"

Wenn sie jetzt die Stange etwas aus der Röhre heraus ziehen, werden Sie sehen, dass sich der Arm, immer noch nahezu ausgestreckt, nach außen bewegt hat. Etwas mehr ist der Ellbogen nach außen gegangen, was den Druck auf den Daumen und somit den Andruck des Bogens an der Saite erhöht.

in der "Mitte"

Strecken Sie nun noch den Arm aus, bis die rechte Hand etwa 60 cm von der Röhre entfernt ist. Hier wäre der Bassbogen an der Spitze angelangt. Sehen Sie zu dass Sie die Schulter bei der ganzen Übung nicht anheben. Der Arm soll „aus der Schulter fallen“. Der Andruck des Bogens an der Saite ergibt sich durch die oben beschriebene Bewegung des Ellbogens nach außen. Der Arm dreht sich somit leicht einwärts, man nennt dies Pronation. Auf diese Weise bereiten Sie die Streichbewegung beim Kontrabass nahezu ideal vor, noch bevor sie das Instrument überhaupt in den Händen gehalten haben.

an der "Spitze"

Nun wünsche ich Ihnen viel Vergnügen bei dieser einfachen Übung. Versuchen Sie die Bewegung flüssig auszuführen. Die Röhre wird Ihren Arm perfekt führen und sie werden damit eine wichtige Hürde für den Bogenstrich am Kontrabass gleich zu Beginn überwinden.

Herzlichst

Felix Seiffert

Die Streichbewegung auf dem Cello

Eine wichtige Vorübung, um sich an die Streichbewegung zu gewöhnen, ist die Übung mit Stab und Röhre. Sie benötigen dazu einen Holzstab (ca. 12 mm Durchmesser; in jedem Baumarkt billig zu beziehen) und eine Pappröhre. Ich verwende am liebsten den inneren Kern einer Frischhalte- oder Alufolie. Sie hat einen schmalen Durchmesser und gibt dem Stab damit eine exaktere Führung als beispielsweise das Innere einer Haushaltsrolle

Zunächst bauen Sie am Stab Ihren Bogengriff auf.
Möchten Sie dies noch einmal nachsehen?  Der Bogengriff bei Geige, Bratsche und Cello

Mit Ihrer Linken halten Sie sich nun die Röhre in Nabelhöhe etwa 30 cm quer vor Ihrem Bauch.

die Grundstellung

Diese Stellung simuliert recht genau die Stelle, an der der Bogen beim Cello auf der Saite liegt. Außerdem gibt die Röhre dem Bogen eine Führung, und zwingt ihn somit, sich auf einer Geraden zu bewegen. So stellt sich die gekoppelte Bewegung der einzelnen Teile des Arms fast von alleine ein, da sie die Basis bildet für die korrekte Streichbewegung auf dem Cello.

Eines sei hierbei noch bemerkt. Diese Übung eignet sich für das allererste Einüben von Bewegungen. Wir gehen stets vom Groben zum Feinen. Das heißt, wir schließen die feinmotorischen Bewegungen der Finger zunächst noch nicht mit ein. Der Fachmann möge mir verzeihen, dass somit die Streichbewegung auf dem Cello noch nicht in ihrer feinmotorischen Gesamtheit beschrieben ist. Meines Erachtens ist es zunächst besser, sich einmal mit der Bewegung des Armes und des Handgelenks zu beschäftigen und später erst zur Fingerbewegung zu kommen.

Also sehen Sie bitte zu, dass Sie während der ganzen Übung den Bogengriff an der Stange aufrecht erhalten. Lassen Sie es bitte nicht zu, dass die Finger auf der Stange verrutschen. Nur so ist gewährleistet, dass sich der Arm die richtige Bewegung einübt. Ziel unserer Übungen ist es immer, dass eine Bewegung selbstverständlich wird. Es soll so leicht gehen wie Sie mit Ihrem Arm beispielsweise eine Tür öffnen, oder den Schaltknüppel Ihres Autos bedienen.

Stecken Sie nun den Stab in die Röhre und begeben Sie sich mit der Bogenhand ganz bis zur Röhre. Fast automatisch wird sich Ihr Handgelenk leicht anheben. Lassen Sie es zu, aber übertreiben Sie es bitte nicht.

am "Frosch"

Wenn sie jetzt die Stange etwas aus der Röhre heraus ziehen, werden Sie sehen, dass der Handrücken in etwa mit dem Unterarm eine Linie bildet. Der Ellbogen hebt sich dabei leicht.

in der "Mitte"

Strecken Sei nun noch den Arm aus, bis sich Ihr Ellbogen durchstrecken muss. Wichtig hierbei noch einmal: Bitte verrutschen Sie mit den Fingern nicht auf der Stange. Die Stellung der Hand am Bogen sollte unbedingt aufrecht erhalten werden. Es bewegen sich dadurch während der Bewegung der Oberarm, die Schulter etwas, der Ellbogen und natürlich das Handgelenk. Dies sind die Hauptkomponenten, die die Streichbewegung auf dem Cello ausmachen.

Wenn Sie nun bei der Armstreckung angekommen sind, achten Sie bitte darauf, dass das Handgelenk nicht „einsinkt“. Der Handrücken soll mit dem Unterarm eine Linie bilden und das Handgelenk darf nicht darunter hängen.

an der "Spitze"

Nun wünsche ich Ihnen viel Vergnügen bei dieser einfachen Übung. Versuchen Sie die Bewegung flüssig auszuführen. Die Röhre wird Ihren Arm perfekt führen und sie werden damit eine wichtige Hürde für die Streichbewegung auf dem Cello gleich zu Beginn überwinden.

Herzlichst

Felix Seiffert

Die Streichbewegung

Sehr geehrte Leser,

Wenn es darum geht, die Bewegungen zu beschreiben, die ein Spieler ausüben muss um einen vernünftigen Ton auf seinem Instrument zu erzeugen, dann wird es oftmals wirklich schwierig.

In der Regel bekommt man zunächst beigebracht, dass man „gerade“ streichen soll. Also der Bogen steht in einem Winkel von 90° zur Saite. Dies soll an dieser Stelle keineswegs in Frage gestellt werden. Nein, ganz im Gegenteil: dies ist eine umumgängliche Forderung an den Bogenstrich, wenn der Ton leicht und voll ansprechen soll. Mit aller Dringlichkeit ist dem Streicher zu raten, genau dieses genauestens zu erlernen.

Nun ist aber der menschliche Arm so gebaut, dass er zunächst kreisförmige Bewegungen um den Körper macht. Er ist über das Schlüsselbein mit dem Rumpf verwachsen, und somit führt zumindest der Oberarm kreisähnliche Bewegungen rund um den Körper aus.

Will man nun eine Strichbewegung durchführen, bei der die Hand eine Bogenstange in einer geraden Linie führt, kann man sich denken, dass dazu eine Kombination verschiedenster Bewegungen der einzelnen Teile des Arms nötig ist. Würde man dies einem Anfänger theoretisch beschreiben, ist die Verkrampfung der Bewegung, schon allein wegen der Aufmerksamkeit auf so viele verschiedene Dinge, vorprogrammiert.

Wäre es da nicht einfacher, sich eines Hilfsmittels zu bedienen und die Bewegung, ganz einfach ohne viel „Kopf“ zu erlernen?

Nun, für die Cellisten hab ich ein recht gelungenes Anschauungsobjekt, das bedingt auch für die Streicher der hohen Instrumente taugt. Stellen Sie sich einmal vor, Sie stehen vor einem Bügelbrett. Ein Bügeleisen steht vor Ihrem Bauch und Sie nehmen das Eisen und schieben es nach rechts. Ganz einfach, gell? Das Wesentliche ist dabei, dass Sie spüren, wie das Eisen ganz aus seinem Gewicht heraus auf dem Bügelbrett liegt, Sie brauchen es weder anheben, noch auf das Brett drücken. So kann ich Ihr Arm ganz auf die hin- und her- Bewegung beschränken. Spüren Sie es?

Ein sehr ähnliches Gefühl stellt sich ein, wenn man es schafft, sein Armgewicht beim Bogenstrich gut auszubalancieren. Gut, beim Violoncello liegt die Bewegung auch annähernd auf der Horizontalen, wie beim Bügelbrett; bei der Geige und der Bratsche hingegen, geht es wohl eher den Berg hinauf und hinunter. Denkt man sich nun das Eigengewicht des Bügeleisens, das natürlich die Rutschbahn hinunter rutschen will, weg, stellt sich auch hier das Gefühl ein, dass sich der Bogen mühelos an die Saite halten lässt und somit der Arm ähnlich entspannt die Sache angehen kann wie beim Bügeln. Er muss nun weder übermäßig den Arm heben, noch den Bogen auf die Saite drücken.

Lesen Sie in den nächsten Artikeln nun über eine einfache Übung, mit der Sie sich die Strichbewegung an den jeweiligen Streichinstrumenten sehr genau klar machen können.

Der Bogengriff beim Kontrabass

Mit dem Kontrabassbogen verhält sich die Sache nun ganz anders, als bei den übrigen Streichern. Er wird hierzulande im „Untergriff“ gehalten. Sieht man einmal nach Frankreich, wird man feststellen, dass dort in den Orchestern, der Kontrabass ähnlich gespielt wird wie hierzulande das Cello (also mit dem Obergriff auf einem Bogen, der dem des Cellos doch abgesehen von seiner Stärke recht ähnlich ist).

Auch Das Unterrichtsmaterial, das ich in meiner Arbeit mit Streicherklassen verwende, beschreibt beide Haltungen, sodass ich zunächst einmal geneigt war, sogar den Bassisten den französischen Obergriff, um der Einheitlichkeit Willen, beizubringen. Als ich dann einmal einen solchen französischen Bassbogen in den Hand bekam, wurde mir allerdings sehr schnell klar, um wie viel leichter es ist, den Deutschen Bogen im Untergriff zu führen. Und so möchte ich (die Fans der französischen Spielweise mögen mir bitte verzeihen) sowohl in den Streicherklassen als auch in meinen Erwachsenenkursen gerne beim Deutschen Bogen mit dem Untergriff bleiben.

Aber auch hier gibt es eine Menge Varianten den Bogen zu halten. Ich verlege mich daher auf eine recht bewährte Methode, die aber wie gesagt, nur eine von verschiedenen Möglichkeiten darstellt.

Das Grundgerüst der Bogenhaltung lässt sich recht einfach an einem Holzstab üben. Lassen Sie den rechten Arm im Stehen gerade herab hängen und betrachten Sie Ihre Hand. Sehen Sie sich an, welche Stellung Ihre Finger natürlicher Weise einnehmen. Beim einen Spieler stehen sie etwas gebeugter , beim Anderen etwas gerader. Legen Sie sich nun den Holzstab in die Beuge zwischen dem Daumen und dem Zeigefinger. Wichtig ist hierbei, dass Sie das Handgelenk nicht kippen. Der Handrücken steht in direkter Verlängerung zum Unterarm. Dies soll beim Bogengriff so bleiben. Den Holzstab hingegen halten Sie zunächst mit der linken Hand so, dass er waagrecht im Raum steht. Nun kommt Ihr Mittelfinger, krümmt sich, und balanciert den Stab, sodass zwischen ihm und dem Arm ein rechter Winkel entsteht. Also Arm senkrecht – Holzstab waagrecht.

Hand senkrecht - Stab waagrecht

auf dem Mittelfinger balanciert

Versuchen wir genau das Gleiche mit dem Bassbogen, so legen wir ihn hinter dem Frosch in die Beuge des Daumens. Der Mittelfinger balanciert den Bogen am vorderen Ende. Nun kommt der Zeigefinger dazu und legt sich zum Mittelfinger.

Der Bassbogen auf Mittel- und Zeigefinger

Also nächstes kommt der kleine Finger dran. Er hat die wichtige Funktion, die „Kantung“ des Bogens zu kontrollieren. Die Kantung meint den Winkel den die Haare im Verhältnis zur Schräge der Saiten einnehmen. Vergleichen Sie es ganz einfach mit der Kantung beim Skifahren. Möchten Sie quer zum Berg einmal stehen bleiben, dann sind Sie gut beraten, die Skier zu kanten, da Sie sonst seitlich den Berg hinunter rutschen würden. Das nennt man Kantung, und sie ist auch beim Streichinstrument je nach Anforderung an den Ton mehr oder weniger angesagt. Stellen Sie nun den kleinen Finger gekrümmt mit seiner Spitze auf die Unterseite des Frosches. Der Ringfinger hat nun eher die Funktion eines „Mitläufers“ er legt sich an den Mittelfinger und kommt so im „Maul“ des Frosches zu liegen.

Der Kleine stützt

Wichtig ist es nun, dass die Finger so weit gebeugt an der Bogenstange anliegen, dass durch das Beugen und Strecken der Finger der Frosch des Bogens in Strichrichtung verschoben werden kann. Erst dies ermöglicht einen flexiblen Anstrich der Saite. Hier sind wir wieder beim Thema „Durchlässigkeit“ der Gelenke der Hand und des Arms. Nur mit der Möglichkeit, dem Reibungswiderstand der Saite unter dem Bogen in gewisser Art nach zu geben, sind wir in der Lage den Anstrich auch zu spüren und entsprechend bewusst zu formen.

gebeugte Finger

gestreckte Finger

Auf einen oft gesehenen Kapitalfehler sei hier noch aufmerksam gemacht. Bitte richten Sie die Handfläche so ein, dass sie zunächst zum Bogen in einem 90 Grad Winkel steht. Andernfalls werden Sie sich im Bemühen um einen gut gestrichenen Ton das Rückgrad verbiegen und nicht glücklich werden. Die Höhe des Basses sollte möglichst so eingestellt werden, dass es möglich ist bei waagrecht gehaltenem Bogen und ausgestrecktem Arm in etwa in der Mitte zwischen Griffbrett und Steg zu streichen. Stellen Sie sich Ihren Arm wie ein großes Pendel vor. In etwa streichen Sie mit einer solchen Bewegung auf dem Bass gerade. Versuchen Sie allerdings durch eine Beugebewegung im Ellbogen zu streichen, kommt es zwangsläufig zu der oben beschriebenen Fehlhaltung mit sowohl körperlichen als auch tonlichen Konsequenzen.

Bitte nie so!

Es grüßt Sie herzlich

Felix Seiffert

Streichen lernen im Workshop

Geige im Workshop lernen, oder ein anderes Streichinstrument; kann man das? Und warum eigentlich?
Heutzutage trifft man immer wieder Menschen, die sich sagen: „Also Geige oder ein anderes Streichinstrument zu lernen, das hab ich mir ja schon immer gewünscht. Aber ich bin schließlich zu alt, und dieses mühsame Studium alleine…..“ Ja, es geht vielen so. Oft sind wir beruflich so gefordert, dass uns dies, und noch ein paar familiäre und häusliche Dinge nicht leicht machen, einen Freiraum zum Musizieren zu finden. Hinzu kommt die Tatsache, dass es eine gewisse Weile dauert, und ausdauernden Übens bedarf, bis man schließlich zum ersehnten Resultat kommt, nämlich mit Anderen zusammen zu musizieren. Und schon ist man so weit, dass der heimlich gehegte Wunsch sehr rasch wieder in die Kiste der „in diesem Leben leider nicht erfüllbaren Wünsche“, verstaut wird.

Anfangsunterricht in der Gruppe

Anfangsunterricht in der Gruppe, auf dem Cello ...

Nun, diesen Prozess des Lernens und die Mühe, die es macht, ein Instrument zu lernen, kann man zwar nicht außer Kraft setzen, aber man kann zu Formen des Unterrichtens suchen, die es einem Lernenden ermöglichen, dieses gemeinsame Musizieren gleich von Anfang an zu praktizieren. Was spricht dagegen, in einer größeren Gruppe die Grundbegriffe des Streichens erklärt zu bekommen? Immerhin sind bestimmte Grundbegriffe für alle Instrumente die gleichen, und es lernt sich doch in der Regel leichter, wenn man sieht, wie andere um einen herum ebenfalls an der Bewältigung dieser Anfangshürden wachsen. Man hat so nicht nur den Lehrer (der „es schon kann“) um sich, sondern sieht , wie es sich um ganz normale Prozesse handelt, die im Grunde jeder erlernen kann.

Zum Beispiel ist es sehr gut möglich, Grundbewegungen, die zur Tonbildung am Streichinstrument führen, gleichzeitig an allen vier Streichinstrumenten zu erklären. Immerhin haben ja die Instrumente der Geigenfamilie sehr viele Dinge gemeinsam. Sie haben vier Saiten. Die Physik des Anstreichens einer Saite ist im Prinzip bei allen Instrumenten gleich. Ich sage im „Prinzip“ da es aufgrund der verschiedenen Größe der Instrumente schon Differenzen in den Kräfteverhältnissen gibt. Aber die Grundlage des Streichens ist bei allen Streichinstrumenten gleich. Das Prinzip des Abgreifens von Tönen durch das Auflegen von Fingern auf die Saite zieht sich ebenfalls durch die ganze Familie der  Streichinstrumente.

... wie auf dem Kontrabass ...

In den letzten Jahren wurde daher eine Fülle an Notenmaterial für den gemeinsamen Unterricht der verschiedenen Streichinstrumente entwickelt. Das Schöne: Gemeinsam lernt sich manches leichter. Und: gemeinsam musiziert kann schon vom ersten Ton an werden.
Immer wieder ist zu beobachten, dass sich Streichbewegungen unter den Spielern fortsetzen. Das heißt, bekommt ein Spieler heraus, wie eine bestimmte Passage geht, verbreitet sich dies unter den anderen Spielern. So wirken gute Streichbewegungen regelrecht „ansteckend“ unter den Teilnehmern eines Workshops. So kommt man schließlich zu dem Eindruck, dass sich das Lernen auf diese Weise leichter vollzieht. Zu sehen wie jemand neben mir als Teilnehmer mit einer Aufgabenstellung fertig wird, ist oft ein regelrechter Startschuss, selbst auch sehr einfach da hin zu kommen, dass es funktioniert. Nehmen wir zum Beispiel einen gut durchgezogenen Bogenstrich. Wie schwer ist das oft, wenn man es sich nicht richtig vorstellen kann. Und dann machen es die Teilnehmer um mich herum, und haben auch grad erst begonnen. So kann es doch gar nicht so schwer sein, und siehe da, es geht auch bei mir. Dieses Szenario lässt sich in der Gruppe des Öfteren beobachten, und macht die Sache so interessant.

... als auch auf Geige und Bratsche

Oft bemerkt man, dass innerhalb eines Workshops daher sehr freimütig gestrichen wird. Das übervorsichtige Streichen das im Einzelunterricht sehr oft beoobachtet wird, bleibt beim Lernenden zumeist aus, was wieder ein Vorteil ist. Das rührt daher, dass man in den gemeinsamen großen Klang eingebunden ist. Man hört mehr den Gesamtklang als sich selbst. Daher ist man zunächst nicht ganz so selbstkritisch und traut sich mehr zu streichen. Natürlich ist das nicht nur ein Vorteil. Es ist natürlich genauso wichtig, dass der einzelne Spieler, wenn er das Instrument  lernt, sehr genau bei sich selbst hin hört und auch in sich selbst hinein spürt. Dies kann ein Workshop nicht ersetzen. Daher ist es für das Lernen unbedingt wichtig, selbst zu üben, und auch individuelle Anleitung zu bekommen, besonders wenn es über das Anfangsstadium hinaus geht.
Zunächst ist allerdings eine Kombination aus Workshops und eigenem Üben durchaus eine gute Möglichkeit, um mit viel Freude gleich von Anfang an ins Volle zu greifen. Ein gelungener Start kann so auf jeden Fall gesetzt werden. Damit, geneigter Leser, sei hiermit eines hervorgehoben. Ein Lernen eines Streichinstruments in einer Gruppe, zumal in einer Großen, kann und will nicht einen individuellen Unterricht auf dem jeweiligen Instrument ersetzen. Bestimmte Dinge lassen sich wirklich wenn nicht sogar ausschließlich so doch besser im Einzelunterricht bewältigen. Aber gerade in der Anfangsphase stellt der Unterricht in Form eines Workshops eine sehr schöne Möglichkeit dar, einen gelungenen Start zu vollziehen.

mit freundlichen Grüßen
Felix Seiffert